Startseite
Wer bin ich?
Fußspuren
Kontakt/Impressum


Mein Großvater, Hermann Lacker, wurde am 31. Dezember 1907 in Niederjeutz / Lothringen geboren. Seine Eltern waren Friedrich Lacker aus Freistett (dem heutigen Rheinau) und Luise Lacker aus Metz / Lothringen.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurden meine Urgroßeltern vor die Wahl gestellt, in Lothringen zu bleiben und Franzosen zu werden oder Deutsche zu bleiben, aber Niederjeutz verlassen zu müssen. Mein Urgroßvater entschied sich, Niederjeutz, den Geburtsort seiner Kinder, zu verlassen und wieder auf die rechte, deutsche, Rheinseite in seine alte Heimat zu übersiedeln.

Nach der Volksschule machte mein Opa eine Lehre als Metzger (ab 1923 bei Fleischermeister Karl Bradschall in Offenburg), die ihn ab 1926 als Geselle zu verschiedenen Metzgereien in der Ortenau, aber auch zu Adolf Vormbrock nach Bielefeld, führte. Damals war es noch üblich, nach den Lehrjahren berufliche Wanderjahre folgen zu lassen. Die Weltwirtschaftskrise lies jedoch auch ihn von 1930 bis 1932 arbeitslos werden. 1933 fand er eine Anstellung bei der "Häute- und Fellverwertung" in Offenburg.

Am 7. Januar 1933 heiratete mein Großvater Anna Vogt aus Windschläg (geb. 20.03.1909), am 01.04. des gleichen Jahres wurde mein Vater, Arnold, geboren. Ihm folgte zwei Jahre später mein Onkel, Horst Lacker.

Horst, Anna und Arnold Lacker 1940

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde mein Großvater eingezogen. Er diente dabei stets als Feldmetzger in verschiedenen Versorgungseinheiten der Wehrmacht. Während des Krieges hat er praktisch alle wichtigen Feldzüge mitgemacht: Westfeldzug gegen Frankreich, die "Weserübung" mit der Besetzung Norwegens, er war in Bulgarien und Rumänien stationiert, erlebte die Besetzung Griechenlands mit und fand sich schließlich im Rußlandfeldzug wieder, den er maßgeblich auf der Krim miterlebte.

Rußland, 01.01.42

Dabei überlebte er zweimal die Versenkung von Truppentransportern auf dem Mittelmeer und erhielt folgende Auszeichnungen:

* Eisernes Kreuz 2. Klasse
* Das Krimschild
* zwei Rumänische Tapferkeitsorden

Zum Ende des Krieges war er Obergefreiter.

Glücklicherweise erlebte er das Kriegsende in englischer und nicht in russischer Kriegsgefangenschaft, so dass er bereits im September 1945 nach hause entlassen wurde. Ab dem gleichen Monat fand er dann eine Beschäftigung bei der Metzgergenossenschaft Offenburg im Offenburger Schlachthof.

1972 ging mein Opa in Rente und zog mit meiner Oma, Anna Lacker, aus der Dienstwohnung im Offenburger Schlachthof aus, um sich in der Schaiblestraße 17 ein neues Zuhause einzurichten.

1979 starb meine Oma und wir alle hätten gewettet, dass mein Opa den Tod seiner Frau nicht verkraftet.  So wurde er immer einsilbiger, doch wie sehr er seine Söhne und seine Enkel liebte, zeigte er immer, wenn er weinend am Fenster seines Wohnzimmers stand, wenn sein Besuch aus Berlin oder Leonberg (hier lebte der Bruder meines Vaters) wegfuhr.

Anfang der Neunziger Jahre des vergangen Jahrhunderts musste mein Opa aufgrund erheblicher Knieprobleme ins Offenburger Marienhaus umziehen, einem Alten- und Pflegeheim, welches Jahre später auch meinem Vater, seinem Sohn, Herberge werden würde. Überraschenderweise ist meinem Opa die Zeit dort gut bekommen, er war stets gut gelaunt und sang häufig freundlich vor sich her. Hier konnte er allerdings auch seiner Leidenschaft nachkommen: dem Essen, speziell von Fleisch.

Am 23. Juli 1996 verstarb mein Opa mit 88 Jahren und wurde im Grab seiner Frau, meiner Oma, auf dem Offenburger Weingarten Friedhof begraben.